Schwache elektrische und magnetische Felder steuern die Bioregulation aller Organismen seit jeher. Seit die Elektrizität in den Alltag und das Berufsleben der Menschen getreten ist, werden diese natürlichen Felder zunehmend von künstlich erzeugten elektrischen und magnetischen Feldern überlagert.
Die schädlichen Einflüsse, die von den elektromagnetischen Feldern (EMF) ausgehen und Die Gesundheit von Mensch und Tier beeinflussen, werden als Elektrosmog bezeichnet. Inwiefern sich der Smog nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist noch nicht endgültig geklärt. Besonders verbreitet hat sich der Elektrosmog mit der flächendeckenden Nutzung von Mobilfunktelefonen. Mobile Kommunikation wird durch die Aussendung EMF im Hochfrequenzbereich ermöglicht. Im Gegensatz zu EMF im Niedrigfrequenzbereich, die z.B. von Fernsehern, Computern oder Spielkonsolen ausgehen, ist die Anzahl der Schwingungen der Felder pro Sekunde im Hochfrequenzbereich sehr hoch und verbreitet sich auch ohne Kabel über einen weiten Raum. Gefährlich ist dabei, dass die Wellen nicht wahrgenommen werden können, sich aber trotzdem auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken. Besonders betroffen sind davon so genannte Elektrosensible. Dazu gehören neben Kindern und Jugendlichen auch Schwangere sowie ältere und kranke Menschen.
Um die Auswirkungen des Smogs besser bewerten zu können, haben internationale Expertinnen und Experten jüngst auf Einladung der „International Agency for Research on Cancer“ (IARC), die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angehört, eine Neubewertung der vorliegenden Daten zu EMF vorgenommen. Ihren Ergebnissen zu Folge werden mobile Telefone als „möglicherweise krebserzeugend für den Menschen“ eingestuft. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie auf der Website www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2011/pdfs/pr208_E.pdf.
Die Studie der WHO ist außerdem ein Beleg dafür, dass weiterer Forschungsbedarf in Bezug auf die Auswirkungen einer langanhaltenden Handynutzung (Exposition) besteht.
Dass die EMF teilweise vom Gehirngewebe absorbiert werden, ist in der Forschung unumstritten. Diskutiert werden hingegen die konkreten gesundheitlichen Auswirkungen der Absorption. Neben kurzfristig auftretenden Krankheitsbildern wie Glieder- und Kopfschmerzen indizieren Studien auch einen Zusammenhang zwischen der Nutzung des Handys und vegetativen und psychosomatischen Erkrankungen. Dazu gehören:
- Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Ohrensausen, Blutdruckhoch und Tinnitus;
- Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten;
- zunehmende Stressempfindlichkeit, Depression, Nervosität und Angstzustände;
- Öffnung der Blut-Hirn-Schranke, wodurch Schadstoffe ins Gehirn gelangen und dort das Zentralnervensystem und die Gehirnzellen schädigen;
- mit der Öffnung der Schranke ist vor allem das erhöhte Risiko für Demenzerscheinungen in jungen Jahren verbunden.
Andere langfristigen Gefahren, die von der Absorption der EMF ausgehen, sind Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und Stoffwechselstörungen.
Da sich aufgrund der schnellen Verbreitung des digitalen Mobilfunks noch keine endgültigen Aussagen über die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen treffen lassen, sollten Sie nicht vorschnell in Panik geraten und beachten, dass jeder Mensch unterschiedlich auf EMF reagiert. Außerdem können Sie die Risiken durch den verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Handy reduzieren. Wir empfehlen Ihnen:
- Achten Sie schon beim Kauf auf ein strahlungsarmes Mobiltelefon. Der SAR-Wert sollte möglichst klein sein (<0,6 Watt/kg). Das Kürzel SAR steht für die spezifische Absorptionsrate und wird in der Umwandlung hochfrequenter Energie pro Kilogramm Körpermasse (Watt/kg) gemessen;
- informieren Sie sich über den genauen SAR-Wert Ihres Handys auf der Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz www.bfs.de und lesen Sie sorgfältig die Gebrauchsanweisung Ihres Handys, in der der Wert Ihres Handys angezeigt werden muss;
- nutzen Sie Ihr Mobiltelefon nur für dringende Gespräche und sprechen Sie so kurz wie möglich;
- benutzen Sie die eingebaute Freisprechanlage oder ein Headset. Dadurch halten Sie Ihr Handy nicht direkt an den Kopf;
- falls Sie gerade kein Headset zur Hand haben oder Ihre Freisprechanlage nicht nutzen können empfehlen wir Ihnen, Ihr Mobiltelefon erst ans Ohr zu halten, wenn die Verbindung steht;
- tragen Sie Ihr Handy nicht eingeschaltet in der Brust- oder Hosentasche;
- schalten Sie die Mobilfunkfunktion Ihres Handys aus, während sie Fotos, Musik oder Filme konsumieren und nutzen Sie Ihr mobiles Internet nur in Notfällen;
- benutzen Sie Ihr Handy nicht als Wecker, sondern schalten Sie es nachts aus;
- telefonieren Sie nicht im Auto, in Tiefgaragen und öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern nur an Orten mit guter Empfangsqualität. Bei schlechtem Empfang sendet Ihr Mobiltelefon mit erhöhter Leistung, wodurch die EMF intensiver wirken. Sie schonen dabei übrigens nicht nur Ihre eigene, sondern auch die Gesundheit aller Personen im Umkreis von zwei Metern;
- benutzen und legen Sie Ihr Handy nicht in der Nähe von Babys und Kindern ab.
Die Grenzwerte für die Immissionen, die ein Handy abgeben darf, sind seit August 2001 im europaweit gültigen Produktstandard EN 50360 festgeschrieben. In Anlehnung an den global gültigen Mess-Standard IEC/EN 62209-1 bestimmt der Standard EN 50360, dass der SAR-Wert bei höchstens 2 Watt/kg liegen darf.
Die von der EU erlassene Richtlinie über Funkanlagen und Sendekommunikationseinrichtungen (RTTE-Richtlinie) verlangt die Einhaltung dieses Wertes von den Mitgliedstaaten der EU.
Durch das Gesetz über Funkanlagen und Telekommunikationssendeeinrichtungen (FTEG) wurde sie 2001 in deutsches Recht umgesetzt.
Unsere Forderungen:
Um die Gefahren des von Handys ausgehenden Elektrosmogs einzudämmen, fordern wir Grüne:
- Ein grundsätzliches Minimierungsgebot für SAR-Werte von Mobiltelefonen auf einen Vorsorgewert von höchstens 0,2 Watt/kg;
- auch industrieunabhängige Forschungsprojekte, die sich besonders mit den Auswirkungen der langanhaltenden Mobilfunktelefonnutzung beschäftigen;
- Aufklärung über die Risiken durch Mobilfunktelefonnutzung insbesondere gegenüber Eltern, Kindern und Jugendlichen;
- Die Kennzeichnung strahlungsarmer Mobiltelefone mit Ökolabeln wie dem Blauen Engel.